• Das Gleichnis vom König und dem Trank des VergessensEs lebte einmal ein reicher und mächtiger König eines riesigen Reiches. Er war bekannt dafür, sehr weise und wissend zu sein. Eine seiner Aufgaben war, der höchste Richter und Gutachter für alle Rechtsstreitigkeiten in seinem Land zu sein. Doch das machte ihm überhaupt keinen Spaß, weil er einfach nicht verstand, was es heißt, ein armer, mittelloser, hungernder Bauer zu sein. Er konnte einfach einige Motivationen und Handlungen der Bauern nicht verstehen und fühlte sich daher schlecht ausgerüstet, über sie zu urteilen. Doch wie könnte er dahin kommen, wirklich das Leben der Bauern zu verstehen? Er ging mit seinem Problem zu seinem wertvollsten Berater: dem Hof-Zauberer. Die Lösung, die der Zauberer vorstellte, war, den König so zu verzaubern, dass er absolut alles vergessen würde, was er wusste. Dann würden sie den König wie einen Bauern kleiden und ihn irgendwo mit ein paar Münzen in der Tasche aussetzen. In einem Jahr würde sich der Zauber wieder von selbst auflösen und der König würde sich erinnern, wer er war. Auf diese Weise hätte der König für ein ganzes Jahr als Bauer gelebt und würde wissen, wie dieses Leben ist. Der König stimmte diesem Plan zu und so geschah es. Er wurde in den Kleidungsstücken eines armen Mannes unter dem Einfluss des Zaubers in einem Gasthaus zurückgelassen. Als er aufwachte wusste er nicht, wer er war. Einige Einheimische hatten Mitleid mit dem armen verwirrten Fremden und halfen ihm ein oder zwei Tage. Doch er schien keinerlei praktische Fertigkeiten zu haben, um ihnen das zu vergelten. Auch hatte er ein hochmütiges, undankbares Wesen, das sie nicht mochten. So war er bald auf sich allein gestellt. Hungrig, unglücklich und verzweifelt begann er zu stehlen. Doch er wurde erwischt und ins Gefängnis geworfen.

    Oder wurde er?

    Vielleicht sah er stattdessen die Freundlichkeit der Menschen einem Fremden gegenüber und beschloss, alles daran zu setzen, ihnen ihr großes Wohlwollen zurückzugeben? Vielleicht fand er in sich selbst den Einfallsreichtum eines geborenen Anführers, der in Kombination mit einem gut ausgerichteten und gebildeten Geist ermöglichte, von allen, denen er begegnete, wertgeschätzt und anerkannt zu werden? Vielleicht wurde er irgendwie ein gefeierter Führer?

    Wie werden wir jemals wissen, was mit ihm passiert? Das geht natürlich nur, wenn die Geschichte jetzt weitergeht und du sie beobachtest. Und das ist genau der Punkt. Der König wollte nur etwas über Armut erfahren, doch indem er durch diese Erfahrung des Vergessens ging, würde der König tatsächlich viel mehr über das herausfinden, wer er wirklich war. Nicht wer er kraft der Umstände war, in die er hineingestellt wurde, sondern vielmehr seine wahre wesentliche Natur erkennen.

    Wenn wir diese Metapher verlängern und dem König nicht nur ein Jahr des Vergessens zugestehen, sondern so viele Lebenszeiten wie es braucht, bis er selbst erwacht, indem er sich  durch einen Prozess der Selbstfindung erinnert, wer er wirklich ist, dann wäre dies dem, was euch auf der Erde geschieht, ähnlich.

    Weiterlesen: http://www.klang-weg.de/zingdad-der-schleier-des-nichtwissens/

Herzlichen Dank an dich, liebe Karla, für deine aufwendige Übersetzungsarbeit und den kostenfreien Zugang zu Zingdads Beiträgen …