Die Frau am Fluss

Zwei Mönche waren von einem Kloster zum anderen unterwegs. Nach einiger Zeit kamen sie zu einem Fluss. Dort begegneten sie einer jungen Frau, die – wie sie – an das andere Ufer gelangen musste. Die junge Frau konnte jedoch nicht schwimmen und fürchtete sich vor der Strömung.

 

Da sagte der eine Mönch zu ihr: „Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen helfen, über den Fluss zu kommen.“ Sie war freudig überrascht und nahm das Angebot an. Da nahm der Mönch die junge Frau in die Arme, trug sie über den Fluss und stellte sie am anderen Ufer wieder ab. Sie bedankte sich, und die beiden Mönche setzten ihren Weg fort.

Nach einem langen Marsch in Schweigen, als sie fast im Kloster angekommen waren, sagte der eine Mönch – der schweigend zugesehen hatte, als sein Glaubensbruder die junge Frau über den Fluss getragen hatte – zum anderen: „Du hast die Frau über den Fluss getragen, obschon du weißt, dass wir als Mönche das Gelübde abgelegt haben, nie eine Frau zu berühren.“

Da antwortete der andere Mönch: „Ich habe die Frau nur über den Fluss getragen, trägst du sie etwa immer noch.“

Viele Menschen sind wie dieser Mönch. Sie tragen Dinge mit sich herum über Vergangenes und Zukünftiges und ihr Kopf wird schwer …

Zum Wochenende wünsche ich dir einen Fluss, den du zu Fuß überqueren kannst [Metapher für die energetisch-solaren Einströmungen]

und einen Menschen, der dich ein Stück deines Weges trägt [oder wenigstens begleitet ;-)]

und einen leichten Kopf …

 

Alles im Fluss … Roswitha